Interpersonale Medienwahl

2.1.3 Interpersonale Medienwahl

Die interpersonale Medienwahl ist auf den konkreten Kommunikationspartner ausgerichtet. Statt rational zu entscheiden oder das Medium anhand der Nutzung im eigenen Umfeld oder des Kommunikationspartners zu beurteilen, kann die Medienwahl nach dem Modell der „technisch vermittelten interpersonalen Medienwahl und Kommunikation“ von Höflich auf die Kommunikationspartner abgestimmt werden (vgl. Höflich 1996: 102)⁠.

Die Abstimmung kann freiwillig vollzogen oder durch den Kommunikationspartner erzwungen werden. Ist die Kommunikation für beide Akteure ähnlich bedeutsam, so ist eine freiwillige, einvernehmliche Einigung auf ein bevorzugtes Medium möglich. Die Kommunikationsteilnehmer passen ihre Mediennutzung gegenseitig an. Dabei kann die Medienkompetenz des Einzelnen im zeitlichen Verlauf der Kommunikation gesteigert werden, wenn dieser die Verwendung eines Mediums erlernt bzw. bereits Erlerntes vertieft. So kann beispielsweise ein Teilnehmer aufgrund vieler Spam-Mails auf das Medium E-Mail eher verzichten und sich mit seinem Kommunikationspartner aus rationalen Gründen auf die Verwendung eines Wiki-Systems oder Ähnlichem einigen. Ist dieser bisher noch nicht im Umgang mit Wikis geübt, kann er die Vor- und Nachteile durch die eigene Nutzung kennenlernen und zukünftig dieses Mittel zur Kommunikation einsetzen.

Besteht der Kommunikationspartner jedoch auf ein bestimmtes Medium und ist die Bedeutung der Kommunikation unbalanciert, so kann die Verwendung dieses Mediums aufgezwungen werden. Wird insbesondere aufgrund von mangelnder Medienkompetenz ein Medium verwendet, welches die kommunikativen Bedürfnisse nur unzureichend bzw. ungenügend erfüllt, kann dies eine negative Medienbewertung verstärken. Wird beispielsweise einseitig aufgrund von fehlender Medienkompetenz das Telefon als Medium bevorzugt, kann es zu Kommunikationsproblemen führen, wenn der Kommunikationsteilnehmer nur eingeschränkt, z. B. zu bestimmten Tageszeiten, erreichbar ist. Einige Bedürfnisse, wie die Verteilung von digital vorliegenden Projektunterlagen, können durch das Medium Telefon nicht bedient werden, was ein zeit- und kostenaufwändiges ftf Treffen oder ein Dokumententransport per Kurier notwendig machen kann.

Kaiser, A. (2011): Social Virtuality – Strukturen, Dynamik, Analyse und Simulation in sozialen virtuellen Netzwerken (1. Aufl.). Herzogenrath: Shaker Verlag

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