Mediale Einordnung

2.3 Mediale Einordnung

Im späteren Verlauf der Arbeit werden Netzwerke betrachtet, welche durch die Verwendung verschiedener Medien oder Dienste entstehen. An dieser Stelle wird eine mediale Einordnung und Subsumierung unter die zuvor besprochenen Theorien vorgenommen.

E-Mail ist ein asynchrones, textbasiertes Medium. Damit kann in Dyaden als auch in Gruppen1 kommuniziert werden (vgl. Bell u. a. 2003: 181f.)⁠. Bei diesem Medium greifen alle besprochenen Theorien. Die Kommunikationspartner wählen das Medium, wobei dies einseitig geschehen kann. Anonyme Kommunikation zwischen Unbekannten ist ebenso möglich, da bei einer E-Mail-Adresse die eindeutige Zuordnung zu einem bestimmten Kommunikationsteilnehmer nicht zwangsläufig gegeben ist. Dies ist die Ausgangsbedingung für die Filtertheorien und SIDE.

Ein Forum (discussion board) ist ebenfalls ein asynchrones und textbasiertes Medium. Im Gegensatz zu dem Medium E-Mail sind die Rezipienten in der Regel unbekannt, da solche Systeme in der Regel ohne Anmeldung Lesezugriffe gewähren und die Beiträge in Suchmaschinen indexiert werden (vgl. Bell u. a. 2003: 13)⁠. Sie stehen damit einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Um Beiträge und Kommentare zu erstellen, müssen sich die Nutzer jedoch anmelden. Hierbei können auch falsche Angaben gemacht werden. Die Authentizität der Nutzer ist nicht sichergestellt. Aufgrund von Verhaltensregeln und Moderation ist hierbei auch SIDE anwendbar. Damit greifen ebenfalls alle angeführten Theorien.

Bei Blogs können neben Textbeiträgen auch multimediale Inhalte wie Fotos oder Videos eingebunden werden. Ein Blog ist ein asynchrones Medium, bei dem über Kommentare zu den Beiträgen Feedback gegeben wird. Diese Kommentare können ebenso Verweise (Links) auf andere, ggf. multimediale Inhalte enthalten. Es bedarf in der Regel keiner Anmeldung, um einen Blog-Beitrag zu lesen (vgl. Bell u. a. 2003: 10)⁠. Die Authentizität derNutzer ist nicht zweifelsfrei gegeben und die Nutzung kann anonym erfolgen. Da sich die Kommunikation an eine breite Öffentlichkeit richtet und nicht gruppenorientiert ist, greift SIDE bei Blogs nicht. Die Filtertheorien können uneingeschränkt angewandt werden.

Ein Instant Messaging System ist ein synchrones Medium (vgl. Tipp 2008: 175)⁠. Zwar ist Gruppenkommunikation i. d. R. möglich, jedoch überwiegt die Kommunikation mit zwei Teilnehmern (vgl. Leskovec & Horvitz 2008)⁠. Das Medium bietet die Möglichkeit zur textbasierten Kommunikation, ist aber nicht auf diese beschränkt2 (vgl. Bell u. a. 2003: 119)⁠. Die Filtertheorien sind nur bei der Textform voll anwendbar. Ebenso verhält es sich mit SIDE, da ein geringeres Maß an Anonymität vorhanden sein kann.

Bei „Social Community“ werden synchrone und asynchrone Kommunikationsmöglichkeiten vermischt. In Abhängigkeit vom Funktionsumfang kann sowohl asynchron, synchron, textbasiert oder multimedial in Dyaden und Gruppen kommuniziert werden. Betrachtet man nur die Eigenschaften Textbasiertheit und Asynchronität, so greifen alle bisher besprochenen Theorien. Tritt ein Individuum einem Netzwerk bei, ist die Kommunikation zwischen Unbekannten als Ausgangsbedingung für die Filtertheorien und SIDE gegeben. Auf die Diskussion in Gruppen lässt sich SIDE ebenfalls anwenden.

1Hierfür werden Mailing-Listen bzw. Verteiler verwendet oder mehrere Empfänger angegeben.

2Die aufgeführten Studien beziehen sich auf Instant Messaging Systeme ohne die Möglichkeit zur Sprach- und Videoübertragung. Gegenwärtig ist dies mit Skype (www.skype.com) aber auch ICQ (www.icq.com) u. a. möglich.

Kaiser, A. (2011): Social Virtuality – Strukturen, Dynamik, Analyse und Simulation in sozialen virtuellen Netzwerken (1. Aufl.). Herzogenrath: Shaker Verlag

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